Unsere kleine Gliedertierfibel

Die häufigsten Lästlinge rund ums Pferd im Überblick

Fliegen, Bremsen, Mücken oder Zecken gehören für Pferde und Pferdehalter zum Alltag. Doch wer sticht eigentlich, wer beißt – und welche Arten sind vor allem lästig? Gerade bei kleinen Insekten ist die Unterscheidung oft gar nicht so einfach.

Und warum eigentlich „Gliedertierfibel“? Ganz einfach: Nicht alles, was krabbelt und uns rund ums Pferd begegnet, ist ein Insekt. Zecken zum Beispiel gehören zu den Spinnentieren. Insekten und Spinnentiere wiederum gehören beide zum Stamm der Gliederfüßer (Arthropoden). Daher unser etwas ungewöhnlicher Name.

In unserer kleinen Gliedertierfibel stellen wir Dir die wichtigsten Lästlinge rund ums Pferd vor. Du erfährst, wann und wo sie besonders aktiv sind, woran Du sie erkennen kannst und warum sie für Pferde unangenehm werden können.

Mit wissenschaftlicher Expertise erstellt

Diplombiologin und Entomologin Dr. rer. nat. Doreen Werner
Dr. rer. nat. Doreen Werner

Bei der Erstellung unserer Gliedertierfibel konnten wir auf die Expertise der Diplombiologin und Entomologin Dr. rer. nat. Doreen Werner zurückgreifen. Die Insektenforscherin hat uns mit ihrem Fachwissen bei den Informationen zu den hier vorgestellten Gliedertieren unterstützt.

Tabanus sudeticus Zeller, 1842


Familie Bremsen

ArtenanzahlWelt: 3500 / Deutschland: 58
Lateinischer NameFamilie Tabanidae  
deutsche / regionale
Bezeichnung
Breme, Bräme, Brinsen, Blinde Fliege, Blinder Kuckuck, Viehfliegen, Rossfliegen, Rossbremse
Typische VertreterPferdebremse: Tabanus sudeticus Zeller, 1842 Goldaugenbremse: Chrysops relictus Meigen, 1820
Körpergrößeschwankt je nach Art, 6 bis 30mm 
AktivitätApril – September
tagaktiv, verstärkt an schwülen und regnerischen Tagen 
VorkommenDie Entwicklungsstadien der Bremsen sind an feuchte Lebensräume gebunden. Sie halten sich gerne in der Nähe dieser Biotope auf: feuchte Heiden, Moore, Sümpfe, Weiden, lichte Wälder, Waldränder, Pferdeweiden.
BesonderheitenBremsen sind Poolsauger, d.h. sie reißen die Haut mit den groben Mundwerkzeugen auf und lecken das heraustretende Blut auf.
GefahrenDie Stiche der Bremsen sind schmerzhaft, erzeugen Quaddeln und jucken stark. Eine Übertragung diverser Erreger ist möglich. Pferde können schon beim Anfluggeräusch der Bremsen unruhig werden und erregt reagieren.

Musca domestica Linnaeus, 1758


Familie echte Fliegen

Culicoides obsoletus Meigen, 1818

Familie Gnitzen

Hippobosca equina Linnaeus, 1758

Familie Lausfliegen

Fannia canicularis Linnaeus, 1761

Aedes sticticus Meigen, 1838


Familie Stechmücken

ArtenanzahlWelt 3500 / Deutschland: 52
Lateinischer Name: Familie Culicidae 
deutsche / regionale
Bezeichnung
Gelse, Stanze, Moskito, in Süddeutschland: Schnaken 
Typische VertreterGemeine Hausmücke: Culex pipiens Linnaeus, 1758 Rheinschnake: Aedes vexans Meigen, 1830
Aedes sticticus Meigen, 1838
Körpergröße7 bis 15mm 
AktivitätMai – Oktober, dämmerungs- und nachtaktiv
Vorkommendeutschlandweite Verbreitung und auf aquatische Habitate angepasste Lebensweise, häufig in Überflutungsbereichen, Mooren und Sümpfen (Aedes vexans, Aedes sticticus), aber auch in Baumhöhlen, Pfützen, Mulden, Söllen und künstlichen Bruthabitaten wie Regentonnen etc. (Culex pipiens)
BesonderheitenFiligraner, schlanker Körperbau, invasive Arten wie die Asiatische Tigermücke und Asiatische Buschmücke sind in Deutschland bereits etabliert und breiten sich aus. 
Gefahren:Stechmücken können zahlreiche Krankheitserreger übertragen, darunter z.B. das West-Nil-Virus, welches zum Tod führen kann. Auch wenn aktuell Ausbrüche und Krankheitsverläufe noch selten und meist milde sind, wird in Deutschland eine zunehmende Tendenz gemeldet.  Für Pferde ist eine Impfung möglich.

Gasterophilus intestinalis De Geer, 1776


Familie Dasselfliegen

ArtenanzahlWelt 34 / Deutschland: 6
Lateinischer Name Familie Oestridae
deutsche / regionale
Bezeichnung
Dasseln, Biesfliegen,
Gadfliegen, Fersenfliegen
Typische VertreterGasterophilus intestinalis, De Geer, 1776
Körpergröße8 bis 18mm, gelblich-braun, behaart
AktivitätMärz bis zum Einsetzen von Frösten im Herbst
Vorkommenauf Weiden
BesonderheitenSpezialisierung von Nasen-, Rachen- und Magendasseln. Nasen- und Rachendasseln „schießen“ die Eier z.B. in den Nasen- bzw. Mundbereich. Magendasseln legen die Eier auf dem Fell des Tieres ab.
GefahrenNachdem die Larven geschlüpft sind, wandern sie in den Magen oder Darmbereich ein, wo sie Schleimhautentzündungen verursachen können. Die Ausscheidung erfolgt über den Kot. Die Behandlung erfolgt über Wurmkuren.

1 Ixodes ricinus Linnaeus, 1758
2 Hyalomma marginatum Koch, 1844
3 Dermacentor reticulatus Fabricius, 1794

Familie Schildzecken

ArtenanzahlWelt 700 / Deutschland: 19
Lateinischer Name Familie Ixodidae
deutsche / regionale
Bezeichnung
Zecken, Holzböcke
Typische VertreterGemeiner Holzbock: Ixodes ricinus Linnaeus, 1758  Tropische Riesenzecke: Hyalomma marginatum Koch, 1844 Auwaldzecke: Dermacentor reticulatus Fabricius, 1794
KörpergrößeIxodes ricinus: erwachsene, ungesogene Exemplare 2,5 bis 4mm / gesogene Weibchen bis ca. 1,5cm Hyalomma marginatum: erwachsene, ungesogene Exemplare 5 bis 6,5mm / gesogene Weibchen bis ca. 2cm Dermacentor reticulatus: erwachsene, ungesogene Exemplare 3,8 bis 4,2mm / gesogene Weibchen bis ca. 1cm
AktivitätMärz – November, ganzjährig sobald die Tagestemperatur über 7°C steigt
Vorkommenvor allem in Wäldern und Waldrändern und Gebieten mit dichter Vegetation am Boden
BesonderheitenZecken sind ausgestattet mit hochentwickeltem Stechapparat und scherenartigen Mundwerkzeugen (Cheliceren), Sie reißen die Haut des Wirts auf und graben mit ihrem „Stachel“ (Hypostom) eine Grube in das Gewebe, das sich an der Stichstelle mit Blut füllt. Die Zecke saugt nachfließendes Blut auf und ist somit ein Poolsauger. Hyalomma marginatum ist eine sogenannte Laufzecke. Sie ist ein optisch orientierter Jäger und kann ihre Wirte über mehrere hundert Meter verfolgen.
Gefahren:Zecken können diverse Krankheitserreger übertragen. Ixodes ricinus: Große Bedeutung durch die Übertragung von Borrelien (Bakterien) und des
FSME-Virus mit dem Auslösen der Zeckenborreliose bzw. der Frühsommermeningoencephalitis (FSME). Hyalomma marginatum: Überträgt in ursprünglichen Verbreitungsgebieten das Krim-Kongo Hämorrhagische Fiebervirus. Dermacentor reticulatus: Kann Piroplasmose durch die Übertragung von Piroplasmen verursachen.

Insektenschutz für Pferde

Du möchtest Dein Pferd vor Fliegen, Bremsen, Mücken, Kriebelmücken und Gnitzen schützen? Welches Repellent sinnvoll ist, hängt unter anderem davon ab, welche Lästlinge Deinem Pferd besonders zu schaffen machen und wie hoch der Insektendruck ist.

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